Das Lied der Espe (Zitterpappel)

Die Zitterpappel (Espe) ist der Baum der Elfen und Feen. Wenn du unter ihr ruhst und ihrem Lied lauscht, kannst du dich in die Anderswelt träumen. Wenn du magst, kannst du dem Lied der Espe HIER kurz lauschen.

Dies ist eine Reise zu der Espe, die wir bei den Natur- und Kräuterinspirationstagen im September 2026 angetreten haben. Mach es dir bequem und lass dich in ihre Welt führen.

Gedicht: Die Zitterpappel (Espe)
(von Jürgen Wagner, 2023 veröffentlicht)

Jeden Windhauch nimmt sie auf
Zittert leise, wispert laut
Ist leicht bewegt, leicht enerviert (erregt)
Die Pappel manchen fasziniert

Lichthungrig steht sie gerne frei
Und erzählt so allerlei
So lebendig und so fein
Wer möchte nicht ein Gast hier sein?

Bei ihr ist immer etwas los
Sie wird geliebt von Klein und Groß
Von Mensch und Tier, die finden Schutz –
Und lauschen – allem Lärm zum Trotz

Unter der Pappel ist immer etwas los: wenn viele Espen zusammenstehen, dann klingen sie bei Wind manchmal wie ein Meeresrauschen. Doch bevor wir der Espe lauschen, schauen wir sie uns doch mal genauer an: ihre rundlich-herzförmigen Blätter haben einen langen, abgeflachten Stiel, der sehr biegsam ist. Ein kleiner Windhauch reicht aus, um die Blätter zu bewegen. Die Wuchsform der Espe ist grazil, leicht und luftig.

So können wir nur unschwer die Signaturen vom Element Luft und dem Planeten Merkur erkennen, der für Bewegung im Denken und die Kommunikation, den Austausch, steht.

Die Römer haben der Espe den lateinischen Namen Populus tremula gegeben, populus steht für das „Volk“. Sie nannten die Pappel auch arbor populi = „Baum des Volkes“, und verglichen die Bewegung der Blätter mit dem Gemurmel und der Lebendigkeit der Menschen auf einem Marktplatz. Der zweite lateinische Name tremula bedeutet „zittern“ oder auch „beben“. Die Namen „Espe“ oder „Aspe“ für die Zitterpappel lassen sich aus dem indogermanischen ableiten, was ebenfalls „zittern, erschrecken“ bedeutet.

„Zittern wie Espenlaub“ – diesen Satz kennt wohl jeder. Christliche Sagen und Geschichten erzählen, warum die Espe zittert: sie soll sich als einziger Baum nicht vor Christus verneigt haben, als er am Kreuze hing. Auch als Maria über die Erde wandelte, mochte sich die Pappel nicht verneigen.

Gedicht
von
Ignaz Friedrich Castelli (1781-1862),

zur Geschichte der Pappel

Maria erging sich auf der Flur,
Da grüßet alsbald die ganze Natur
Die Erd- und Himmelskönigin,
Die wandelt in reinem und frommen Sinn.

Es fächelt Zephyr (griech. Windgott) ihr die Wangen,
Die Vöglein auf allen Zweigen sangen,
Die Insekten schwirren im bunten Gemische,
Und auf den Wellen tanzten die Fische;

Wolf, Bär und Tiger verlassen den Raub,
Und krümmen sich folgsam vor ihr in den Staub;
Die Blumen die Kelch‘ ihr entgegen neigen,
Die Bäum‘ ihre Kronen demütig beugen:

Nur eine Pappel bleibt stolz da steh’n,
Als ob sie Marien gar nicht geseh’n.
Da wirft die Jungfrau noch einen Blick
Auf jene hochmüthige Pappel zurück;

Wer kann den gewaltigen Blick wohl mahlen,
Aus dem man den ganzen Himmel sieht strahlen?
Da fing die Pappel zu zittern an,
Und zittert seit dieser Minute fortan.

Wie ich schon sagte, ist der Name „Espe“ indogermanischen Ursprungs und bedeutet „zittern“ oder „erschrecken“. In der nordischen Mythologie wird die Espe mit der Geisterwelt in Verbindung gebracht. Die Schilder der Wikinger wurden oft aus Espenholz gefertigt. Es war leicht, splitterte nicht und man glaubte, dass das „Zittern“ des Baumes auf die Schwerter der Feinde übergehen und diese verunsichern würde.

Im Raunen der Blätter hörte man die Stimmen aus dem Ahnenreich. So schnitzten die Germanen aus dem Holz der Espe Zauberstäbe, um mit den Ahnen, die in Helheim wohnten, zu kommunizieren. Dies wurde auch von der Autorin Joanne Rowling in ihrer Buchreihe „Harry Potter“ aufgenommen: hier waren die Zauberstäbe aus Espenholz besonders edel und wurden von Hexen und Zauberern gewählt, die eine starke Neigung zu Duellen haben oder für große Revolutionen bestimmt waren. Das Holz sollte nämlich extrem feinfühlig reagieren, genau wie das lebendige Laub des Baumes im Wind.

Die große Schwester der Espe, die Schwarzpappel, galt in der Antike als Baum der Trauer und des Schmerzes. Sie war der Baum zur Unterwelt, in das Reich des griechischen Totengottes Hades.

Ganz anders die Espe, die als Lichtbaum für Leichtigkeit und Verspieltheit steht. Sie ähnelt der Birke und ist als Weidengewächs eng mit den Feen und Elfen verbunden. Auch für unsere keltischen Vorfahren stand die Espe mit der Welt der Feen in Verbindung.

Eine schwedische Sage erzählt die Geschichte von Elfen, die in Schweden „Älvor“ genannt werden. Eines Nachts schlich sich ein neugieriger Wandersmann an eine Lichtung heran, um den Elfen beim Tanzen zuzusehen. Die Elfen tanzten so wild, leicht und wirbelnd, dass ein sanfter magischer Windhauch entstand. Um sich dem lauschenden Menschen nicht zu verraten, flüchteten die Elfen beim ersten Sonnenstrahl in die Kronen der umliegenden Bäume. Die meisten Bäume standen still, doch die Espen fingen die tänzerische Energie der Elfen auf – und ihre Blätter bewegten sich im Takt des unsichtbaren Elfentanzes weiter.

Eine dänisch-norwegische Sage erzählt eine weitere Geschichte, nämlich dass Elfen den Geist von Menschen verwirren können, wenn sie unter ihren Lieblingsbäumen schlafen. Besonders unter Espen, denn diese wurden wegen ihrer flüsternden Geräusche als Übergangsort zur Elfenwelt angesehen. Wer sich im Spätsommer im Schatten einer großen Espe schlafen legte, riskierte, dass die Elfen des Baumes die Träume des Schläfers stahlen. Das Rascheln der Blätter galt als das leise Kichern der Elfen, die sich über die Verwirrung des Menschen amüsierten. Doch es gab die Möglichkeit, diesen Zauber zu brechen: man legte an die Wurzeln der Espe einfach eine Gabe, wie z. B. Milch oder Brot, und die Elfen gaben den Geist des Menschen wieder frei.

Im Christentum wurde die Espe dann zum Hexenbaum, verwehrte sie doch Maria und Christus ihre Demut. Die Knospen sollen ein Bestandteil der Hexensalben gewesen sein. Dabei enthalten sie keinerlei bewusstseinsverändernde Alkaloide, wie sie in den anderen „Zutaten“ der Hexensalbe zu finden sind (z. B. Bilsenkraut, Tollkirsche). Vielleicht war es eben diese Leichtigkeit im Wesen der Espe, welche die Frauen und Männer zum Fliegen und den Geist in Bewegung bringen sollte.
Interessant, dass die Espe andererseits vor genau diesen Hexen und Dämonen schützen sollte, da ihr Blätterrauschen deren Geister verwirrt und sie ablenkt. So wurden früher an die Stalltüren Espenzweige zum Schutz vor Hexen aufgehängt.

Und ja, die Espe wird schon lange als heilender Baum verehrt. Bei Fieber mit Schüttelfrost ging man z. B. zu einer Espe, um eben diesem „Zitterbaum“ sein eigenes Zittern zu übertragen. Man band eine Locke oder ein Band an die Espe und sprach Gebete oder Bannsprüche, um das Fieber dort zurückzulassen. Hildegard v. Bingen schätzte den Pappelsaft aus Blättern und Rinde. Schon eine kleine Menge davon als Zugabe in Salben, konnte deren Heilwirkung erheblich steigern.

Die Schulmedizin erkennt nur die Knospen der Schwarzpappel als heilend an: in Salben werden sie bei Wunden, Hämorrhoiden, Frostbeulen und Sonnenbrand empfohlen.

In der Volksheilkunde schätzt man die Espe als heilenden Baum ebenso wie die Schwarzpappel:

  • Auszüge und Auflagen aus ihrer Rinde und den Blättern helfen z. B. bei Rheuma, Arthrose, Ischiasbeschwerden oder Hexenschuss
  • Tee aus den Blättern lindert Harnwegsinfektionen, Reizblase und Prostatavergrößerung
  • als Weidengewächs findet sich in ihrer Rinde auch Salicin, so wurde sie schon immer bei Fieber, Gliederschmerzen, Erkältungen und grippalen Infekten eingesetzt (erinnere dich an die Krankheitsübertragung bei Fieber an den „Zitterbaum“)
  • bei Wunden, Sonnenbrand, Frostbeulen und Hämorrhoiden helfen Salbe oder Umschläge aus den Knospen
  • und die Pappelrinde wurde als Notverband bei Wunden geschätzt.

Die Zitterpappel wurde in diesem Jahr zum Baum des Jahres 2026 gekürt. In der Forstwirtschaft galt sie oft als „Unkraut“, da ihr weiches Holz nur bedingt nutzbar ist. Nun möchte man sie in das Bewusstsein heben, weil sie für Widerstandskraft, Artenvielfalt und Erneuerung in Zeiten des Klimawandels steht. Sie ist Hitze- und Trockenheitstolerant und hilft als Pionierbaum bei der Wiederbewaldung. Sie dient als Nahrung und Zuhause für viele Tierarten, ihre Blätter bieten guten Humus und verbessern die Bodenqualität.

„Zittern wie Espenlaub“. Kommen wir zurück auf das Wesen der Espe. Was hat es mit dem Zittern auf sich?

Wir zittern vor Kälte
(dabei wird übrigens Energie und Wärme im Körper erzeugt).

Wir zittern vor Angst
(dabei wird Adrenalin freigesetzt und bereitet den Körper für Flucht oder Angriff vor).
Die Bachblüte „Aspen“ wird für Menschen mit unbestimmten Ängsten angewendet, um sie wieder in ihr Urvertrauen zu führen.

Wir zittern, wenn das Nervensystem überlastet ist.

Medizinisch wird „zittern“ als „Tremor“ bezeichnet,
was sich im lateinischen Namen der Zitterpappel wiederfindet.

„Zitterpartie“ nennen wir Momente,
in welchen wir etwas mit Spannung erwarten.

Wir zittern vor Ehrfurcht höherer Mächte
(erinnere dich an die christliche Sage, warum die Espe zittert).

Wir zittern aber auch bei Freude und Erregung.

Wir zittern, wenn die Seele erschüttert oder tief berührt wird.
Dann ist es oft die Gänsehaut, welche die unsichtbaren Gefühle auf der Haut körperlich spürbar und sichtbar für uns macht.
Wir werden durchlässig.

In der energetischen Baumheilkunde wird die Espe auch „Antennenbaum“ genannt. Auf Menschen wirkt die Espe wie ein Verstärker für die eigene feinstoffliche Wahrnehmung, sie öffnet unsere spirituellen Antennen.

Hier zeigen sich wieder die Signaturen des Elementes Luft und vom Planeten Merkur: es werden Informationen ausgetauscht, zwischen unserem Inneren und dem Äußeren, der alltäglichen und nichtalltäglichen Wirklichkeit (Anderswelt). Die Espe ist eine Vermittlerin zwischen den Welten, sie versteht die Sprachen aller Seinsebenen und lässt uns daran teilhaben.

Renate Kauderer beschreibt die Zitterpappel als besonders magischen Baum. „Wer in ihrem Schatten ruht und dem Flüstern der tanzenden Blätter lauscht, der träumt sich in eine andere Welt.“

Ich möchte dich nun einladen, eine Espe aufzusuchen und mit deinen Augen und Ohren ihrem Gesang zu lauschen und deinen Geist fliegen zu lassen. Wenn du möchtest, kannst du ihr auch kurz HIER lauschen.

„Ich träume mich in dein Lied und fühle das Universum in mir rauschen.“ (Renate Kauderer)

 

Quellen:
Rita Pilaske: Heilkraft der Bäume
Renate Kauderer: Heimische Bäume
Recherche mit der KI
und wie immer: eigene Erfahrungen 🙂

Hinweis:
Die hier angegebenen Anwendungsbeispiele und Rezepturen ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch. Die Anwendung erfolgt in eigener Verantwortung und auf eigene Gefahr.