Im Sommer lacht mir die orange-gelbe Blüte der Ringelblume (Calendula officinalis) schon von weitem entgegen. Alleine das Anschauen und Eintauchen in diese wunderschöne Blüte lässt mein Herz vor Freude und Dankbarkeit jubeln. Auch ihr balsamischer Duft ist von besonderer Art und hat etwas geheimnisvolles. Sie wächst in meinem Gemüsegarten zwischen Fenchel & Co., denn sie ist nicht nur eine wertvolle Heilpflanze, sondern auch im Garten von großem Nutzen.
Im Gemüsegarten fördert die Ringelblume die Boden- und Pflanzengesundheit. In meinem Gemüsegarten samt sie sich selbst aus, und immer pflanze ich auch vorgezogene Ringelblumen bewusst in meine Gemüsebeete. Die Ringelblumenblüten locken zahlreiche Bestäuber und Nützlinge wie z. B. Schwebfliegen an, die gerne Blattläuse fressen. Im Boden vertreibt sie durch Wurzelausscheidungen schädliche Fadenwürmer und sorgt für gesundes Gemüse. Zwischen Tomaten, Kohl und Kartoffeln gepflanzt, kann sie sogar die Blattfäule verhindern. Sie sollte also in keinem Biogarten fehlen!
Zudem ist sie eben eine Augenweide und bringt sonnige Farbtupfen in den Garten. Wild kommt die Ringelblume bei uns nicht vor, sie wurde einst von reisenden Mönchen und Äbtissinnen aus dem Mittelmeerraum in die heimischen Klostergärten geholt.
Aus einer Pflanze kommen immer wieder neue Blüten heraus, sie blüht von Juni bis in den Oktober hinein. Ihre Wuchskraft und ihr Blütenreichtum vermitteln eine unglaubliche Lebenskraft. Im Volk wird sie auch „Niewelkblume“ genannt. Die Ringelblume sorgt dafür, dass die Liebe unter den Menschen immer wieder neu erblüht, so erzählte man es sich. Auch als Liebeszauber wurde sie verwendet: damit auch die Liebe immerwährend blüht, nahmen Mädchen die Erde unter den Fußabdrücken ihres Liebsten auf und gaben sie zusammen mit der Ringelblume in einen Topf – als Zeichen der unermüdlich blühenden Liebe (gefunden bei Ursula Stumpf).
Der Name „Ringelblume“ bezieht sich übrigens auf die geringelten Samen, der wirklich sehr individuell daher kommt. Kein Samen gleicht in seiner Form dem Anderen, jeder ist einzigartig! So wie auch du in unserer großen Menschenfamilie einzigartig bist! Die Aussaat der Samen erfolgt im Frühjahr, die Blüte erscheint ab Juni. Die Ringelblume gehört zu den Korbblütengewächsen. Die Blüte besteht aus hunderten von Einzelblüten: im inneren die bräunlichen Röhrenblüten, außen die gelben und orangenen Zungenblüten. Die Blätter sind filzig und klebrig behaart und haben ebenfalls diesen typischen „Ringelblumen-Duft“.
Die Blüte der Ringelblume erinnert an eine Sonne. Sie gehört wie das Gänseblümchen, die Kamille und Sonnenblume zu den „Sonnenbräuten“, die mit ihrer Blüte dem Lauf der Sonnenbahn folgen und die Sonnenkraft in sich speichern. Ihre Blüte öffnet sich bei Sonnenaufgang und schließt sich bei Sonnenuntergang. Bei Regen bleibt die Blüte geschlossen.
Bei diesem großen Bezug zur Sonne wundert es nicht, dass in der Signaturenlehre die Ringelblume eine Pflanze der Sonne ist. Auf psychisch-seelischer Ebene unterstützt sie die Lebensfreude, unser Selbst-Bewusstsein und Erkenntnisprozesse. Sie heilt alle inneren Wunden wie Selbstzweifel, Ängste oder Traumata. Ihre Botschaft, mit der du in Resonanz gehen kannst, heißt:
„Lächle dich und deine Mitwelt glücklich!“
Als Sonnenpflanze unterstützt die Ringelblume auf körperlicher Ebene das Herz- und Kreislaufsystem, die Augen und das Immunsystem. In der Schulmedizin werden die Ringelblumenblüten äußerlich bei Wunden und Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut und Sonnenbrand empfohlen. Dabei kommt der Tee (als Auflage oder Kompresse oder Mundspülung), Tinktur oder Salben zum Einsatz. Verwendet werden vor allem die Zungenblüten der orangefarbenen Calendula officinalis.
Wenn du meine Pflanzenbeschreibungen regelmäßig ließt bzw. verfolgst, dann wird es dich jetzt nicht wundern, dass die Ringelblume in der Volksheilkunde deutlich umfassender angewendet wird. Die Wurzel der Volksheilkunde ist jahrhundertlanges Erfahrungswissen, dass von Generation zu Generation weitergegeben wird. Dieses Wissen ist eingebettet in die Lebensrealität des Menschen als Teil der Natur und in Verbindung mit der Erde und dem Kosmos.
So werden die Ringelblumenblüten in der Volksheilkunde wegen ihrer entzündungshemmenden, antibakteriellen und antiviralen, wundheilenden, galletreibenden, krampflösenden und entgiftenden Wirkung bei Magen-Darm-Beschwerden (Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren, Candida Befall im Darm), schmerzende Menstruation, Galle- und Leberstörungen und zur Blutreinigung eingesetzt. Sie stärkt das Immunsystem, insbesondere bei Neigung zu Infektionskrankheiten durch Viren und Bakterien. Ein wichtiger Einsatzbereich sind Hauterkrankungen, wie z. B. Ekzeme, Geschwüre, Akne, Wunden, Verbrennungen, Nagelbett- und Bindehautentzündungen, Sportverletzungen, Quetschungen, Blutergüsse sowie Krampfadern und Hämorrhoiden. Auch bei Hautkrebs (v. a. weißer Hautkrebs) oder auffälligen Leberflecken kann die verdünnte Tinktur oder Salbe angewendet werden. Hier habe ich selbst schon die besten Erfahrungen gesammelt! Manfred Pahlow empfiehlt dafür den frischen Presssaft. Um die Sehkraft der Augen zu stärken, empfiehlt Maria Treben ein Augenbad mit lauwarmen Ringelblumentee.
Als Aufguss ergeben die Blüten einen sonnigen Tee, der dein Herz stärkt, dich aufrichtet und die Sonne in dein Gemüt holt! Also ein wunderschöner Tee für dunkle Zeiten!
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Ringelrosenbutter
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Hinweis:
Die hier angegebenen Anwendungsbeispiele und Rezepturen ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch. Die Anwendung erfolgt in eigener Verantwortung und auf eigene Gefahr.
Quellen:
Siegrid Hirsch & Felix Grünberger: Die Kräuter in meinem Garten.
Ursula Stumpf: Kräuter für Körper und Seele
NHV Theophrastus: Ringelblume, Broschüre zur Heilpflanze des Jahres 2009
Fotos: Anja Böhme