Die Kiefer erinnert in ihrem Wesen sehr an die Birke. Beide sind Pionierbäume, erschließen also Neuland. Und beide lieben das Licht. Wenn eine Kiefer den Raum bekommt, den sie liebt (Licht!), dann breitet sie ihre Krone breit und ausladend aus. Ihr Bild ist dann sehr „mystisch“ und so komplett anders, als ihre Erscheinung in Forsten, wo sie dicht an dicht mit anderen Bäumen um Licht kämpfen muss.
Die Kiefer (Pinus sylvestris, auch „Waldkiefer“ oder „Föhre“ genannt) ist ein bis zu 40 Meter hoher Baum, der bis zu 500 Jahre alt werden kann. Die Nadeln sind lang (5 – 10 cm), wodurch sie leicht von anderen Nadelbäumen zu unterscheiden ist. Die Rinde ist stark gefurcht und mehrschichtig aufgebaut. Unter der äußeren Borke hat sie eine wasserdichte Korkschicht und kleine Luftpolster, die vor Temperaturextremen und mechanischen Schäden schützen. So kann sich die Kiefer auch als Einzelbaum gut behaupten! Berühre doch mal ihren Stamm! Es geht eine spürbare Wärme von ihr aus!
Die Kiefer hat keine besonderen Standortansprüche, sie ist sehr genügsam. Doch auf eines kann sie eben nicht verzichten: auf LICHT. Und das macht sie zu einem sehr lichtvollen und gleichzeitig auch genügsamen Baumwesen. Sie drängt sich nicht auf, sie ist einfach DA, beständig und kraftvoll.
Die Menschen haben die Kiefer schon immer als Licht- und Feuerquelle geschätzt. Ihr Holz brennt beständig und die Kienspäne wurden in früheren Zeiten als Lichtquelle geschätzt. Ihr Harz wurde zu Lacken verarbeitet, zum Abdichten von Fässern und als Wagenschmiere verwendet. Heute noch ist ihr Holz vor allem für rustikale Möbel sehr beliebt, da es wundervoll duftet, eine schöne Maserung und lichte Farbe hat. Bernstein, welches wir heute als Schmuck und Heilstein schätzen, ist vor 50 Millionen Jahren aus dem Harz der Kiefern entstanden.
In der Signaturenlehre ist die Leuchtkraft der Sonne (warmer, balsamischer Duft, liebt das Licht und die Sonne, ätherische Öle) und das Feuer des Mars (rötliche Rinde, spitze Nadeln) zu erkennen. Die Kräfte des Saturn (die auf alle Nadelgehölze einwirken) verleihen der Kiefer Genügsamkeit, Geduld und Ausdauer. Diese Eigenschaften sind in einem Genesungsprozess sehr hilfreich bei allen Beschwerden und Erkrankungen, die sich langsam aufgebaut haben oder chronisch sind. Von ihrem Wesen her ist die Kiefer ein Feuerbaum, der in herausfordernden Zeiten Lebenskraft und Mut aufbaut. Bei ihr kannst du wieder in deine Kraft kommen, ohne dich zu verbrennen. Ihr balsamischer Duft und ihre Wärme hüllen dich ein, es ist wie eine zarte Berührung, die dir nur das Beste wünscht. Ich habe immer das Bild von einer liebenden Großmutter, die mit einem tröstenden Blick ihre Hand auf deine Wange legt und sagt „Das wird wieder, mein Kind.“.
In der Pflanzenheilkunde werden vor allem die Frühjahrstriebe (auch Kiefernsprossen genannt) verwendet, aber auch das ätherische Öl aus den Nadeln. Ich rate davon ab, die älteren Nadeln zu verwenden. Nadelbäume werfen ihre Blätter (Nadeln) nicht jedes Jahr ab, so wie es unsere Laubbäume im Herbst machen. Sie entsorgen ihre Nadeln alle 4 bis 7 Jahre. Wie ein Kamm filtern sie aus der Luft viele Umweltgifte und lagern sie in ihre Nadeln ein. Das ist wirklich sehr fein für uns Menschen, denn so sorgen sie in ihrem Umfeld für eine relativ unbelastete und sauerstoffreiche Atemluft. Doch die Nadelbäume tragen an diesen Umweltgiften schwer. Wenn du also ältere Nadeln verwendest, könnte dies deiner Gesundheit wenig zuträglich sein.
Die Frühjahrstriebe können ab Ende April bis in den Juni hinein gesammelt werden. Auch noch später, aber dann immer nur die Spitzen. Und bitte: sammel immer nur so viel, wie du wirklich brauchst! Wenn du die Triebe abschneidest, greifst du damit in das Wachstum des Baumes ein! Frage am besten vor der Ernte, ob es für den Baum in Ordnung ist, respektiere die Antwort. Lausche deiner inneren Stimme, wie und wo du ernten kannst. Vergess nicht, dem Baum Dankbarkeit auszudrücken.
Die Frühjahrstriebe sind reich an ätherischen Ölen, Harz, Flavonoiden und Bitterstoffen. Sie enthalten zudem sehr viel Vitamin C, B-Vitamine und auch Vitamin E und K. An Mineralien und Spurenelementen sind sie vor allem reich an Magnesium, Kalzium und Kalium, ferner enthalten sie auch Eisen, Phosphor, Zink und Kupfer. Das macht sie wirklich sehr wertvoll für unsere Gesundheit! Sie wirken keimtötend, desinfizierend, entzündungshemmend, wundheilend, antioxidativ, abschwellend, schmerzlindernd, durchblutungsfördernd, schleimlösend und stärkend.
In der Schulmedizin werden die frischen und getrockneten Kiefernsprossen und das ätherische Öl innerlich bei entzündlichen Erkrankungen der oberen und unteren Luftwege eingesetzt, die mit einer Verschleimung einhergehen. Äußerlich bei leichten Muskel- und Nervenschmerzen, rheumatischen und neuralgischen Beschwerden. Das ätherische Öl sollte nicht bei Bronchialasthma und Keuchhusten, nie im Bereich der Augen und nicht bei Kindern unter 4 Jahren angewendet werden.
In der Volksheilkunde wird die Kiefer bei Atemwegserkrankungen wie Husten, Lungenentzündung oder -schwäche, oder auch bei Nasennebenhöhlenentzündung angewendet. Vor allem die ätherischen Öle erleichtern und beruhigen die Atmung. Hier können Inhalationen oder auch eine Salbe helfen. Zur Stärkung des Immunsystems können die jungen Sprossen verzehrt (z. B. in Salaten) oder als Tee zubereitet werden. Durch ihren hohen Gehalt an Vitalstoffen (insbes. Vit. C) wirken sie auch antioxidativ und beugen Krebserkrankungen vor. Beschwerden im Bewegungsapparat, wie z. B. rheumatische Beschwerden oder Muskel- und Bänderzerrungen, können mit Bädern, Auflagen oder Einreibungen gelindert werden. Die Pechsalbe (Rezept siehe unten) hilft bei Hauterkrankungen (Ekzeme, Ausschlag, Schuppenflechte, Neurodermitis) und als Zugsalbe. Weitere Anwendungsbereiche sind Harnwegsinfekte (innerlich als Tee) und chronische Erkrankungen wegen der entzündungshemmenden Wirkung.
Seit einigen Jahren kursiert die Information, dass Kiefernadeltee Spike-Proteine ausleiten könne. Verantwortlich dafür wird der Wirkstoff Suramin gemacht, der sich angeblich in den Kiefernnadeln finden soll. Dieser Wirkstoff wurde jedoch synthetisch hergestellt, erstmals 1916 für Medikamente bei der „Schlafkrankheit“. Suramin ist also kein natürlicher Wirkstoff (!) und wurde dementsprechend auch noch nie in der Natur nachgewiesen.
In der Aromatherapie wird das ätherische Öl bei Atemwegserkrankungen, zur Desinfektion und zur Entspannung geschätzt. Nadeln und Harz können auch verräuchert werden. Während die Nadeln das Gefühl eines Waldspazierganges vermitteln, sorgt das Harz für eine lichtvolle Athmosphäre, Wärme und friedvolle Ruhe. Wir können wieder durchatmen und in unsere Kraft kommen. Zudem desinfiziert der Rauch die Umgebungsluft, kann also bei Infektionen und Erkältungskrankheiten unterstützen.
Hier in Treis gibt es eine wunderschöne Kiefer in einer alten Sandkaute. Von dort aus kann man auf einen kleinen See schauen. Viele Tiere und Pflanzen fühlen sich hier wohl – und ja, auch Menschen 😉 Die Kiefer wird wenig wahrgenommen, da sie ein wenig abseits steht. Vielleicht ist das auch gut so. Ich bin sehr gerne bei dieser Kiefer. Gerade jetzt, in dieser Zeit des aufkommenden Frühlings und der Neuausrichtung fühle und schätze ich ihre Wärme und ihre mutmachende Feuerkraft.
REZEPTEKiefernsprossentee Rita Pilaske empfiehlt einen Esslöffel Kiefernsprossen in einer (großen) Tasse kaltem Wasser zum Kochen zu bringen und dann 10 Minuten abgedeckt ziehen zu lassen. Kiefernnadelbad 250 g Kiefernsprossen und/ oder -nadeln in zwei Liter kaltem Wasser zu Kochen bringen und abgedeckt 20 Minuten ziehen lassen. Abfiltern und dem Badewasser zugeben. Achtung: Nicht anwenden bei größeren Hautverletzungen, entzündlichen Hautkrankheiten, Herzinsuffizienz und hohem Blutdruck. Harzsalbe (Pechsalbe) Zutaten: 30 g Baumharze (z. B. Fichte, Kiefer, Lärche, Tanne), 80 ml Oliven- oder Sesamöl, 15 g Bienenwachs. Die fein gemörserten Harze in dem Öl bei mittlerer Temperatur schmelzen, am besten in einem Emaille-Topf. Wenn die Harze geschmolzen sind, das Bienenwachs zufügen und ebenfalls schmelzen, alles gut verrühren. In Salbengläser füllen, abkühlen lassen und dann erst verschließen. Dunkel gelagert ist die Salbe bis zu zwei Jahre haltbar. Anwendung traditionell bei Hauterkrankungen (Wunden, Ausschläge, Furunkel, Ekzeme), als Zugsalbe und bei rheumatischen Beschwerden. |
Quellen:
Rita Pilaske: Heilkraft der Bäume
Renate Kauderer: Heimische Bäume
Stumpf, Zingsem & Hase: Mythische Bäume
arzneipflanzenlexikon.info
und wie immer: eigene Erfahrungen 🙂
Hinweis:
Die hier angegebenen Anwendungsbeispiele und Rezepturen ersetzen in keiner Weise den Arztbesuch. Die Anwendung erfolgt in eigener Verantwortung und auf eigene Gefahr.



